SAT Grenchen F1 - F3

Seit vier Semestern warteten wir auf den 4. Juli 2016, den Tag an welchem die erste zivile fliegerische Ausbildung startete. Mit fünf zukünftigen SWISS Linienpiloten trafen wir uns auf dem Flugplatz Grenchen bei den Briefingräumen der Swiss Aviation Training (SAT). In den 11 darauf folgenden Wochen absolvierten wir gemeinsam die ersten drei Ausbildungsphasen des Sichtfluges (VFR).

Zusätzlich zu diesem Bericht gibt es weitere Bilder in der Galerie. 

Phase 1 – Familiarisation

Am ersten Nachmittag konnten wir bereits ein erstes Mal abheben, natürlich noch mit viel Hilfe der geduldigen Fluglehrer. Es war ein super Erlebnis, nach so langer Zeit selbst am Steuer zu sitzen und in Richtung Himmel zu fliegen. Jetzt galt es diverse Checks und viele Procedures zu lernen, um möglichst schnell Kapazität für weitere fliegerische Herausforderungen zu erreichen. Auch Geografie stand auf dem Programm, da wir trotz den mit G1000 ausgerüsteten Fliegern noch die konventionelle Kartennavigation erlernten.

Die ersten Flüge waren vor allem dazu da, die Basics der Fliegerei zu festigen. So wurden in den Arbeitsräumen viele Lage- und Richtungswechsel trainiert. Natürlich gehörte zu den Basics auch das Stallverhalten zu ertesten und sogenannte Steepturns (45° oder 60° Querneigung) zu fliegen. Endlich wieder ein wenig ‘G-Kräfte‘ ;-)

Gegen Ende der ersten Phase stand schon das erste Landetraining an, welches zuerst noch auf dem grossen Outer Circuit stattfand. Dies war zu Beginn noch sehr stressig. Sobald man das Gefühl hatte, endlich etwas Kapazität auf dem Outer Circuit zu haben, ging es schon weiter auf den Inner Circuit. Was am Anfang noch als unmöglich erachtet wurde, erwies sich nach ein paar Flügen schon als gut machbar. Ziel des Landetrainings ist es, möglichst stabile Anflüge auf dem Gleitweg zu fliegen und eine schön ausgeflogene Landung innerhalb der Landezone zu erzielen. Klingt einfacher als es ist und so wurden bei den ersten Landungen das Fahrwerk und die Sitzpolster einige Male getestet. Am Schluss jeder Phase stand ein Progress Test, welcher alle gelernten Elemente überprüft.

 

Phase 2 – First Solo

Um auf den ersten Alleinflug zugelassen zu werden mussten wir noch einiges leisten. Daher begann die Phase wieder mit einem Landetraining, gefolgt von ersten Landungen auf anderen Flugplätzen, wie zum Beispiel Bressaucout, Neuchâtel und Ecuvillens. Diese ‘not homebased‘ Landungen sind wichtig, da die ‘Homebase‘ eventuell wegen eines Notfalls oder wetterbedingt geschlossen werden kann. Dann muss man auf den sogenannten ‘Alternate‘ ausweichen. Glücklicherweise musste nie Jemand von diesem Procedure Gebrauch machen.

 Was fehlt noch für einen Alleinflug? Natürlich das Wissen über das Handling von diversen Notfallsituationen. So wurden im ersten Teil der Phase 2 auch noch jegliche Arten von Notfällen trainiert. Simuliert wurde von einfachen Warnmeldungen bis hin zu Bränden, Totalverlust der Kommunikation oder Motorausfall. Der erste ‘release for First Solo‘ war schon am 5. August. Für diejenigen ohne PPL (Privatpiloten Lizenz) war dies definitiv einer der Höhepunkte des Kurses. Ein unglaublich gutes Gefühl ein erstes Mal alleine die Kontrolle über ein Flugzeug zu haben. 

 

Ab diesem Zeitpunkt waren wir immer öfter alleine unterwegs. Dazu kamen jetzt die ersten ‘Cross-country‘ Flüge durch die Schweiz. Von Lausanne, Altenrhein, Sion, Locarno bis hin nach Samedan stand alles auf dem Programm. Die Vorbereitung der Flüge wurde immer anspruchsvoller. So wurde ‘Mass and Balance‘ ein grosses Thema vor allem wenn wir zu viert unterwegs waren; die Navigation war schwieriger und die Meteoanalyse benötigte einiges an Mehraufwand. Auch waren verschieden Pistendimensionen, spezielle Platzrundengeografie und in Tälern liegende Flugplätze eine Herausforderung.

 

Neu in dieser Phase kam auch die Benutzung des G1000 mehr zur Geltung. So wurde uns erklärt, wie wir einige der zigtausenden von Funktionen zu unseren Gunsten nutzen könnten. Diese Funktionen wurde dann vor allem in der Auslandnavigation interessant.

Wieder am Ende der Phase stand ein Progress Test auf dem Programm, in welchem wir nochmals die Meisterung von Notfallsituationen, einen Touch and Go in Bern und Steilkurven demonstrieren mussten.

 

Phase 3 – Auslandsflüge

Die Zeit bis anhin verging wie im Flug und schon war Mitte August. Die letzte, anspruchsvolle Phase stand auf dem Programm. Langsam ging es nach rund 40 Stunden Sichtflug vom PPL Niveau in Richtung CPL (Berufspiloten Lizenz) nach Rund 40 Stunden Sichtflug. Es wurden engere Toleranzen erwartet und die Vorbereitung wurde kritischer durchleuchtet, damit wir langsam auf das Niveau eines Berufspiloten kommen.

Auf dem Programm standen wieder einige Cross-Country Flüge in der Schweiz, sowie eine Alpeneinweisung. Einen Teil davon hatten wir bereits in Phase 2 erhalten. Die Fliegerei in den wunderschönen Alpen birgt leider auch Gefahren. Das Wetter ist viel unberechenbarer, es gibt je nach Talseite Abwinde und nicht in jedem Tal ist eine 180° Umkehrkurve möglich. So wurden wir auf diese Gefahren ausreichend aufmerksam gemacht und diverse Passüberflüge wurden trainiert. Trotz diesen Gefahren ist das Schweizer Alpenpanorama aus dem Flugzeug etwas vom Schönsten. Ebenfalls lernten wir in der Phase 3 die Radionavigation mit sogenannten Drehfunkfeuern (VOR). Diese Art von Navigation konnte uns vor allem im Ausland helfen.

 

Dank dem super Wetter konnten wir alle Flüge wie geplant durchführen. Ein weiteres Muss und aber auch Highlight war der 270 Kilometer Solo Cross-country Flug. Die Route verlief von Grenchen nach Lausanne, anschliessend nach Buochs und wieder zurück nach Grenchen. Nach diesem Flug stand dem PPL Skilltest nichts mehr im Wege.

Zuvor gab es jedoch nochmals eine Menge an Vorbereitungsarbeit für die ersten Auslandflüge, welche für alle von uns Neuland waren. Bei der Planung durfte beispielsweise auf keinen Fall der Zoll vergessen werden. Geplant und geflogen wurde nach Innsbruck, Donaueschingen, Freiburg i.B. und Mannheim. Dies waren spannende aber sehr intensive Flüge in neuer Geografie und Luftraumstruktur.

 

Schon war es September und der PPL Prüfungsflug stand vor der Tür. Nach den Prüfungen gab es noch einen letzten Höhepunkt der Phase 3, der Flug nach Korsika (Calvi). Wieder ein weiteres Land mit Tücken, vor allem diverse militärische Sperrgebiete an der französischen Küste bereiteten uns Kopfschmerzen. Nach langen Vorbereitungen war es endlich soweit und ein erster Teil der Crew wollte Richtung Süden starten. Da es schon September war, begann die Nebelzeit in Grenchen und wir konnten am Morgen nicht starten. Schlussendlich starteten wir mit eineinhalb Tagen Verspätung.

Die Route führte zuerst nach Grenoble, dann nach Avignon und schliesslich nach Calvi. Die Lufträume waren dann nur halb so schlimm wie wir zuerst befürchteten. Die französische Flugsicherung war sehr hilfsbereit und hat uns alle gut durch diese Lufträume geschleust. Zu ihrem Amüsement wurden wir teilweise bei falscher Aussprache gewisser Ortschaften sogar von ihnen ‘belehrt‘. Leider blieb uns nur ein kurzer Abend am Meer mit einem fantastischen Essen im Hafen von Calvi, niemand wäre über eine weitere Nacht Aufenthalt böse gewesen. Zurück führte die Route über Montpellier und Dôle nach Grenchen. Ein letzter Checkflug galt es noch zu absolvieren bis die DA40 ein letztes Mal ausgeschalten wurde.

 

Es war eine sehr intensive aber auch schöne Zeit. Trotz einigen technischen Fehlermeldungen ist die DA40 ein super Flugzeug, top ausgerüstet und mit sehr viel Power verbunden. Auch Petrus müssen wir danken, denn nur an etwa zwei Tagen war das Wetter für den Sichtflug unmöglich. Dieses gute Wetter nutzten wir am Abend auch um Sport zu treiben. So haben wir beispielsweise neu zwei weitere Tennisspieler unter uns. Auch Aare-Schwimmen, joggen und velofahren kam nicht zu kurz.

 

 

Nun geht es wieder zurück an die ZHAW in Winterthur, wo wir eine Projektarbeit (Vorarbeit für die Bachelorarbeit) verfassen und weitere Fächer besuchen. An zwei Tagen pro Woche sind wir in Kloten bei der SAT für das Simulator Training.

 

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